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Sexualisierte Gewalt ist Bestandteil weiblicher Sozialisation und Alltagserfahrung. Sie beeinflusst das Leben und Handeln aller Frauen und Mädchen. Wir begreifen sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen nicht nur als individuelles Problem, sondern als Ausdruck einer von Männern dominierten Gesellschaft, die in der Diskriminierung von Frauen im Erwerbsleben (geringere Bezahlung, geringere Aufstiegschancen) ebenso sichtbar wird, wie in ihrer Ausgrenzung aus gesellschaftlichen Machtpositionen oder in ihrer Darstellung als Sexualobjekt in Werbung und Medien. |
Im Gegensatz zur weit verbreiteten Vorstellung von sexueller Männergewalt als krankhafter, perverser Form von Sexualität bzw. als "Triebtat", verstehen wir sie als Akt männlicher Aggression und Dominanz, der sich sowohl gegen die ganze Persönlichkeit einer einzelnen Frau, eines einzelnen Mädchens als auch gegen das weibliche Geschlecht an sich richtet. Macht wird hier im besonders sensiblen Bereich der Sexualität ausgeübt. Sexuelle Gewalt ist jedes sexualisierte oder sexistische Verhalten, das einer Frau /einem Mädchen gegen ihren Willen aufgezwungen wird und das ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung verletzt. Ausschlaggebend für die Bestimmung dessen, was sexuelle Gewalt ist, ist immer die subjektive Wahrnehmung und Bewertung durch die betroffene Frau / das betroffene Mädchen. |
Das erste Prinzip der Heilung ist die Ermächtigung der Überlebenden. Sie muß die Verfasserin und Richterin ihrer eigenen Heilung sein. Andere können Ratschläge erteilen, Unterstützung, Assistenz, Zuneigung und Fürsorge geben, aber keine Heilung. ... Keine Intervention, die der Überlebenden noch weiter Macht und Kontrolle über ihr Leben nimmt, kann ihre Heilung unterstützen, egal wie sehr diese auch unmittelbar in ihrem besten Interesse geschieht." (Judith L. Herman) |